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Wegen der großen Nachfrage schickte die Verkehrsgesellschaft Meißen extra einen großen Bus mit 59 Plätzen – trotzdem mussten noch einige „Unentwegte“ mit dem PKW dem Bus hinterherfahren! Offenbar ließ sich auch niemand durch das typische Aprilwetter, das alles – vom Regen, Sturm und Hagelschauer- aufbot, um uns zu vergraulen, abschrecken.

Die Tour führte uns nach Tharandt (mit Erläuterung Bergkirche und Burgruine), durchs Tal der Wilden Weißeritz über Edle Krone, Höckendorf, Ruppendorf, Reichstädt nach Dippoldiswalde, zurromanische Nikolaikirche. Diese wurde um 1230/1240 als spätromanische/frühgotische turmlose Basilika mit einem flachgedeckten Schiff, einem kreuzgewölbten Chor als Gotteshaus für die umliegenden Dörfer erbaut. Bemerkenswert sind die klare Gliederung des Baukörpers in Kirchenschiff, Chor und der polygonal geschlossenen Apsis, die romanische Bauzier am Außenbau und das Innere mit Resten spätromanischer Wandmalerei.

Der Grundstein für die Kirche in Reinhardtsgrimma, unserem nächsten Ziel, wurde um 1200 gelegt. Durch Umbauten bis etwa 1550 erhielt die Kirche ihre heutige Größe. Der Chor mit dem Renaissance-Altar und dem spätgotischen Sterngewölbe wurde bei der barocken Umgestaltung der Kirche ab 1742 belassen. 1730 erhielt die Kirche eine vom Kgl.-Poln. Kurfürstl.-Sächs. Hof- und Landorgelbaumeister Gottfried Silbermann (1683-1753) erbaute Orgel. Diese bildete den Schwerpunkt für die ausführliche Vorstellung durch Domkantor Jörg Bräunig. Die Kapelle St. Trinitatis im Schloss Weesenstein, 1741 geweiht, stellt den Prototyp einer evangelischen Schlosskapelle als Zentralbau dar. Lange Zeit galt George Bähr als der Schöpfer der neuen Kirche. Heute geht man davon aus, dass die Entwürfe von einem seiner Schüler und Amtsnachfolger – Baumeister Johann Georg Schmidt (1707-1774) – stammen. Bähr starb im Jahr des Baubeginns der Kapelle. Der ursprüngliche Zentralbaugedanke musste sich der Topografie des Schlossbaus beugen und wurde nun über einem Oval entwickelt, das von acht schlanken hölzernen Säulen umstanden ist. Der bauleitende Zimmermeister Andreas Hünigen lieferte mit der Kapelle, dem Kanzelaltar mit seinen reichen Schmuckformen und den Emporen sein Meisterstück ab. Benjamin Thomae schuf die beiden lebensgroßen Apostelfiguren.
Ein rustikales Mittagessen in der Schlossbrauerei war die Grundlage für die nun folgende Etappe der Exkursion. Über Schlottwitz, Glashütte, Bärenhecke, Bärenstein ging es weiter zur Kirche in Lauenstein, wo uns der Gemeindepädagoge Mark Megel in der spätgotischen Hallenkirche erwartete. Bereits 1340 urkundlich erwähnt, wurde die Kirche bei einem Stadtbrand 1594 schwer beschädigt. Unter der Herrschaft Günther von Bünaus fand 1596/1602 der Wiederaufbau statt. Der Innenraum erfuhr dabei seine heutige prächtige Ausstattung mit Altar, Kanzel, Taufe und Epitaphen. Nachdem in der Nacht vom 21. zum 22 Juli 2003 ein Brand die erst im Jahre 2000 restaurierte Jehmlich-Orgel total zerstörte und durch Rauch, Hitze , Ruß vor allem große Schäden an den Kunstwerken und Deckengemälden entstanden, konnte die Kirche Ende 2005 wieder für die Gemeinde geöffnet werden. Nach abgeschlossener Restaurierung erstrahlt sie nun in neuem Glanz und erschließt dem Besucher die einzigartigen Kunstwerke der Pirnaer Bildhauerfamilien Schwenke und Hörnig. Nicht zuletzt der Bünau-Kapelle verdankt Lorentz Hörnig (1575-1624) seinen Ruf als „Meister des Details“. Ein überwältigendes Gesamtkunstwerk!

Dieser Satz kann auch getrost für die nächste Station unserer Reise stehen: die kleine    Dorfkirche in dem 200-Seelen-Dorf Döbra mit ihren erst kürzlich freigelegten spätgotischen Wandmalereien. Dass dieses großartige Unterfangen zu Anfang der 1990er Jahre überhaupt in Angriff genommen wurde, ist der unglaublichen Energie der heute 9-3jährigen Dr. Eva Simon zu verdanken, einer in Döbra geborenen Pfarrerstochter, die nach ihrer Tätigkeit als Kinderärztin in Lauchhammer wieder in das Haus ihrer Kindheit zurückkehrte. Unglaublich, mit welcher Innigkeit sie das Bildprogramm mit Station aus dem Leben Christ vorstellte und mit welcher Verve sie die nicht unumstrittenen baulichen Veränderungen des Innenraums verteidigte! Kantor Bräunig brachte die aus dem Jahre 1925 stammende Orgel zur Freude aller zum Erklingen.

Strahlender Sonnenschein sah uns beim Picknick an einem Rastplatz am Ufer der schnell dahinströmenden Müglitz. „Renner“ war wieder die Wilsdruffer Eierschecke vom Bäcker Hartmann! Gegen 18:00 erreichten wir die Marienkirche in Pirna. Die Stadt Pirna gehörte im späten Mittelalter zu den reichsten Städten des meißnischen Landes. Vom damaligen Wohlstand zeugt die Stadtkirche St. Marien bis heute. Die Kirche wurde 1546 vollendet und ist mit 65 Metern Länge und 35 m Breite nach der Peterskirche von Görlitz und der Annenkirche von Annaberg-Buchholz die drittgrößte Hallenkirche in Sachsen. Der Bau der Kirche wurde 1502 über einem Vorgängerbau begonnen und kurz nach Einführung der Reformation 1546 vollendet. Die Innengestaltung ist vom ersten evangelischen Superintendenten Antonius Lauterbach wesentlich beeinflusst worden. Er war als Freund Martin Luthers und Philipp Melanchthons von reformatorischem Geist erfüllt. Dies spiegelt sich deutlich in dieser Kirche wieder. Die als dreischiffige Halle ausgeführte Predigtkirche steht in der Tradition der sächsischen und böhmischen Hallenkirchen. Das gewaltige Dach der Kirche bildet die größte Kirchendachfläche Sachsens und wurde 2004 erneuert. Der Dachstuhl, der beim Traufgesims in einer Höhe von etwa 18 Meter beginnt, erhebt sich in eine Höhe von 19,50 Meter. Der Dachstuhl ist selbsttragend und lastet laut Konstruktionszeichnung auf den Seitenwänden und Säulen auf. Der von Baumeister Peter Ulrich (genannt Peter von Pirna) begonnene Kirchenbau wurde von Wolf Blechschmidt vollendet. Das von ihm ausgeführte Gewölbe bildet den Höhepunkt der Gewölbekunst der Spätgotik und dient – ohne baustatische Funktion – einzig der Zierde. Es wird von acht schlanken achteckigen Pfeilern getragen und enthält waghalsige verspielte Elemente wie die in den Raum ragende Spiralrippen (Schleifenrippen), Hobelspanrippen und zwei Astrippen. Die Gewölbe der Hallenkirche bestehen aus einem Netzgewölbe im Mittelschiff, einem Sterngewölbe in den Seitenschiffen und einem Fischblasengewölbe über dem Chor. Im gesamten Gewölbebereich finden sich Schleifen- und Tauwerksrippen und andere spielerisch gestaltete, teils frei schwebende Rippen. In der Apsis unmittelbar unter den Astrippen befindet sich ein als „Wilder Mann und Wilde Frau“ bezeichnetes Menschenpaar aus Sandstein. In den Gewölbefeldern bewundern wir die Pirnaer Bilderbibel. Sie stellt die umfangreichste und eindrucksvollste Gewölbemalerei aus der Reformationszeit dar. Die Gemälde sind weitgehend original erhalten und erzählen die Heilsgeschichte in evangelischer Weise. Weitere Besonderheiten der Stadtkirche St. Marien sind der Taufstein mit der Darstellung 26 kleiner Kinder am Fuß (1561) sowie der prächtige 10 Meter hohe und 5 Meter breite Sandsteinaltar (1614), der zu den bedeutendsten Werken der Spätrenaissance zählt. Die steinernen Emporen wurden 1571 eingebaut. 1889/90 erhielt der Kircheninnenraum eine einheitliche Fassung durch Theodor Quentin. 2005 wurde die letzte Renovierung abgeschlossen. Innerhalb von 6 Jahren ist das Innere der Kirche einer umfassenden Restaurierung unterzogen worden. Seit September 2005 erstrahlt sie in ganz neuem-altem Glanz. Was da an Schönheit, Eleganz und technischer Erneuerung entstanden und wieder hervorgekommen ist, kann kaum beschrieben werden. Das muss man gesehen, erspürt und begriffen haben. Diese Kirche strahlt Würde aus, doch ihr Glanz sticht nicht ins Auge, sondern gewinnt das Herz. Die Orgelvorstellung von Domkantor Bräunig setzte den Schlusspunkt dieses ausgefüllten Tages.

Günter Donath

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